Erwachsene lernen anders!
Zuerst die schlechte Nachricht: Sprachen lernt man am leichtesten als Kind. Die mehrsprachige Erziehung durch Muttersprachler ist zweifellos die beste Methode, um Sprachen perfekt zu erlernen. Und der beste Zeitpunkt für den Spracherwerb ist zweifellos die frühe Kindheit. Doch nicht jeder hat das Glück mit einem Spanisch sprechenden Vater, einer Französisch sprechenden Mutter in einem englischsprachigen Land aufgewachsen zu sein. Die meisten haben es nicht. Sie lernen die Zweit- oder Drittsprache anders und später. In der Schule oder – noch später – als Erwachsene.
Und jetzt die gute Nachricht!
Eine Fremdsprache können Sie in jedem Alter lernen. Relativ leicht sogar und mit gutem Erfolg! Die Zahl der Erwachsenen, die Fremdsprachenkurse oder -lehrgänge belegen, spricht für sich. Und sie nimmt mit steigendem Lebensalter sogar zu. Ab Fünfzig steigt das Interesse, die eigenen Fremdsprachenkenntnisse aufzufrischen oder eine ganz neue Fremdsprache zu erlernen. Dafür gibt es viele gute Gründe: Die Kinder sind meist aus dem Haus, man hat Zeit – und häufig auch Geld – genug, um zu reisen. Wie viel mehr Freude und Gewinn zieht man aus diesen Reisen, wenn man die Landessprache beherrscht oder sich in einer Fremdsprache gut im Land verständigen kann. Selbst wer nicht reist, erschließt sich durch das Lernen einer Fremdsprache die Kultur eines Landes und bleibt dadurch geistig rege und fit.
Während man vor nicht allzu langer Zeit noch der Meinung war, jenseits der Fünfzig könne man Fremdsprachen nur mit vergleichsweise großem Aufwand und geringem Erfolg lernen, belehren uns die Wissenschaftler heute eines besseren. Gerade jüngste Erkenntnisse belegen: Die Neuronen in unserem Gehirn können sich immer wieder neu vernetzen – ein ganzes Leben lang. Und nicht nur das: es kommen sogar noch im Alter neue dazu. „Adulte Neurogenese“ – so nennen die Forscher dieses Phänomen, das vor allem deshalb überrascht, weil man bislang glaubte, die Entwicklung des Gehirns sei mit der Pubertät vollständig abgeschlossen. Zwar entwickeln sich bei Erwachsenen tatsächlich nicht mehr in allen Hirnregionen neue Nervenzellen. Im Hippocampus allerdings – einer der wichtigsten Regionen des Gehirns – findet diese Neugeburt von Nervenzellen bis ins hohe Alter statt. Der Hippocampus, ein haselnussgroßes Areal im Schläfenlappen, gilt als unser Zentrum für bewusstes Lernen und das Langzeitgedächtnis.
Wahr ist aber auch, dass sich Lernen mit fortschreitendem Alter verändert. Das Lebensalter eines Menschen hat Einfluss auf den Prozess und das Ergebnis seines Fremdsprachenlernens – das belegen zahlreiche Studien. Ganz allgemein ist richtig: Erwachsene lernen Sprachen anders als Kinder.
